Aggregat 4 - Rakete V2

In Kummersdorf wurden bereits die Flüssigkeitsraketen A-1 und A-2 entwickelt und getestet. Auf der Greifswalder Oie, der 8 km nördlich der Insel Usedom vorgelagerten Insel, sollte aber zum ersten Mal eine Rakete völlig freistehend vom Boden aus gestartet werden.

Startversuche der A-3

Als Versuchsrakete wurde die 6,4 Meter lange A-3 entwickelt, welche beim zweiten Startversuch nach wenigen hundert Metern Steighöhe und Erlöschen des Raketenofens an der östlichen Steilküste ins Meer fiel. Nach vier Versuchen stellte man fest, dass die Steuermaschine zu schwach war, um das Drehen der Rakete um die Längsachse auszugleichen. Vor der Entwicklung der geplanten Großrakete A-4 wurde ein neues Gerät, die A-5 zwischen geschoben, welche äußerlich der A-3 ähnelte aber ein einfacheres Steuersystem, neue Kontrollsysteme und ein anderes Herstellungsverfahren besaß. Man übernahm das Triebwerk der A-3 , entwickelte aber ein neues System, bei dem die Seitenruder durch Korrekturmanöver für die senkrechte Lage der Rakete sorgten. Sie besaß nun einen Durchmesser von 80 cm. Eine deutsche Neuentwicklung waren zudem der Kommandoempfänger für Brennschluss und Fallschirmauslösung, die ein späteres Auffinden der Rakete erleichterten. Die Startversuche beliefen sich auf die Jahre 1938-39 und erreichten fast Schallgeschwindigkeit und eine Steighöhe von 8 km. Nach 7 Jahren Forschung war es schlussendlich gelungen eine Rakete zu bauen, mit der es möglich wurde im praktischen Schießen die Vielfalt der Inneneinrichtung einer Großrakete zu erproben.


Aufnahmen direkt im Standort der Heeresversuchsanstalt in Peenemünde


Peenemünde in der höchsten Dringlichkeitsstufe - Die Entwicklung der A-4 beginnt

Somit wurde Peenemünde auf Anfragen Dornbergers und General Beckers in die höchste Dringlichkeitsstufe des Heeres gestuft und es wurde die Kriegswichtigkeit des Vorhabens A-4 bescheinigt. Da bis dahin lediglich Raketen erprobt wurden, die nicht darauf ausgerichtet waren Nutzlast zu transportieren, wurden weitere Entwicklungsgelder nur zugesagt unter der Prämisse der Nutzlast zu tragen und dennoch eine gute Treffsicherheit zu garantieren. Als Grundlage diente die Pariser Kanone, welche eine Granate von 21 cm Kaliber rund 125 km mit Sprengstoffmenge von rund 10 Kg schoss. Dornbergers erstes Ziel der neuen Großrakete waren die doppelte Reichweite und eine Tonne Sprengstoff. Die Ingenieure rund um Riedel mussten unter bestimmten Prämissen nun die ideale Flugform ermitteln. Eines der Probleme war der fehlende Windkanal zur Erprobung der gewünschten Geschwindigkeiten. Zudem musste man auf eine Pumpförderung umsteigen, da Tanks, die solch einen Förderdruck ausgehalten hätten viel zu schwer gewesen wären. Bisher gab es außerdem keine Pumpe, die flüssigen Sauerstoff von minus 185 Grad verarbeiten konnte. Für die benötigten Schubkräfte brauchte man zusätzlich einen größeren Triebwerkofen. Die Forschung unter Dr. Walter Thiel setzte sich mit der Entwicklung eines 25-t-Triebwerkes und allen Antriebsfragen auseinander. Er entwickelte ein neues Einspritzsystem, welches sich erst auf 1,5-t-Öfen, anschließend bei einem 4,5-t-Triebwerk mit 3 Einspritzdüsen der Vorgängerversion bewährte. Für das größere Modell von 25 Tonnen regte von Braun daraufhin an, 18 dieser Einheitseinspritzköpfe auf dem Deckel des Raketenofens anzubringen. Somit war das Einspritzsystem für den Antrieb der A-4 gefunden und 1939 wurden die ersten 25-t-Öfen in Betrieb genommen.
Am Bau der A-4 waren rund 1.000 Wissenschaftler und 8.000 Facharbeiter beteiligt.
Ihre Maße betrugen:

  • Höhe: 14,03 m
  • Breite: 1,65 m
  • Durchmesser: 3,55 m
  • Startgewicht: 13,5 t

Der Antrieb erfolgte durch die Verbrennung eines Gemischs aus Spiritus und Wasser. Flüssiger Sauerstoff diente als Oxydator. Der Brennstoff gelangte über 2 Kreiselpumpen in die Brennkammern. Es wurden 27.000 Kp Schub bei einer Brenndauer von 65 Sekunden erzielt.

Der dritte Versuch oder der Beginn der Raumfahrt

Während sich Deutschland mittlerweile im Krieg befand, 2 Versuche der A-4 erfolglos scheiterten, Peenemünde Unmengen an Geld und Personen verschlang, musste der dritte Versuch gelingen. Und so geschah es am 03. Oktober 1942 und es zeigte sich zum ersten Mal, dass eine Flüssigkeitsrakete Überschallgeschwindigkeit erreichen und dennoch Stabilität bewahren konnte. Bereits in 10 Kilometer Höhe hatte die Rakete doppelte und eine Minute nach Start bereits die fünffache Schallgeschwindigkeit (1350 Meter in der Sekunde) erreicht. So sah man zum ersten Mal die Kondensstreifen - den "gefrorenen Blitz" - einer Rakete. Am Ende der Brennzeit erreichte der Raketenofen eine Leistung von über 650.000 Leistung. Nach Einleitung des Brennschluss raste die 5,5 Tonnen schwere Rakete mit 1500 Metern in der Sekunde 85 km hoch bis in den Weltraum, zum ersten Mal in der menschlichen Geschichte und leitete somit den Beginn der Raumfahrt ein. Aufgrund des bereits begonnen Krieges sollte die Rakete vorerst als Waffe eingesetzt werden. Nach Rückerlangung einer erneuten Dringlichkeitsstufe für Pennemünde begann die Massenproduktion der A-4, welche zu Propaganda Zwecken als Vergeltungswaffe 2, V-2, bezeichnet wurde.


Die Alliierten testen die Raketen nach dem 2. Weltkrieg

Aufnahmen von Testflügen direkt im Standort White Sands in New Mexico


Aufnahmen aus den Versuchen der russischen Armee

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